„Nach einem von dem Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungssystem erstellten Studie sind das baden-württembergische und das bayrische Schulsystem die beiden besten in Deutschland“. So oder so ähnlich sahen die Nachrichten aus die in der letzten Woche durch die Medien geisterten.
Seltsam nur, dass gerade in diesen Ländern die Schüler über Überlastung und Leistungsdruck klagen und zu Tausenden auf die Straße gehen, um gegen die Lernbedingungen, die in ihren Schulen herrschen, zu demonstrieren. Sind wir alle, die wir uns an den Protesten beteiligt, haben einfach nur undankbar?
Schauen wir uns diese Studie einmal genauer an: Getestet wurde das Leseverständnis in Deutsch und Englisch beziehungsweise Französisch, je nachdem, was erste Fremdsprache war und das Ganze in der 9. Klasse. Die Ergebnisse beziehen sich also nur auf diese Fächer.
Vor allem im Fach Englisch gibt es ein deutliches West-Ost-Gefälle, was unter anderem damit erklärt werden kann, dass Englisch als erste Fremdsprache im Osten erst zu Beginn der 90er flächendeckend eingeführt wurde.
Außerdem offenbarte die Studie, dass gerade in den „Musterländern“ Baden-Württemberg und Bayern die Herkunft eines Schülers seinen Weg durch das Schulsystem bestimmt. In Baden-Württemberg liegen die Chancen eines Akademikerkindes aufs Gymnasium zu kommen 6,5-mal höher als die eines Kindes aus einer Facharbeiterfamilie, in Bayern sogar 6,6-mal höher.
Damit liegen diese beiden Länder deutlich über dem bundesweiten Schnitt von 4.5, der an sich schon klar macht, dass das deutsche Schulsystem eben doch noch in erster Linie der Ausgrenzung dient.
So viel also zu dem, was die Studie untersucht hat. Was sie nicht erfasst hat, ist aber, wen wundert es: was die Schülerinnen und Schüler über das Ganze denken. Ihre Wünsche blieben in der Studie genau wie in der Schule auch, unberücksichtigt. Das sich manche derjenigen, die heute in derartigen Tests schlecht abschneiden vielleicht in anderen Gebieten sehr begabt sind, interessiert die verantwortlichen Politiker nicht. Für diejenigen, die sich danach sehnen, in der Schule endlich Dinge zu lernen, die sie interessieren, und nicht, was sie nach den Wünschen eines Ministeriums gefälligst zu interessieren hat, bleibt nur eine Wahl:
Weiterhin auf die Straße zu gehen.

